Wie das Online-Streaming die Musikwelt fundamental verändert

Michael Rettinger, 11.02.2019

Wohl keine Branche ist von den Möglichkeiten und Trends des Internet so betroffen, wie die Musikbranche. Was Mitte der 1990er Jahre mit der Erfindung von MP3 begann, hat sich heute zu einer noch nie erreichen Individualisierung des Musikkonsums entwickelt – mit einschneidenden Folgen für Musikverlage und Musiker.

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Die klassische Langspielplatte war für viele Generationen der Beginn einer jeden Musiksammlung, nur ersetzt in den 1980er Jahren durch die CD. Selbst die Erfindung der Compactcassette, mit der viele junge Menschen erstmals mit wenig Aufwand Musik aus dem Radio aufnehmen konnten, hat nicht viel vom Erfolg der LP und des Musikalbums weggenommen.

Erst die MP3 ermöglichte es, Musik in hoher Qualität zu kopieren und in kleinen Dateigrößen zu verteilen. Damit begann die erste regelrechte Rezession in der Musikbranche, die erst durch Online-Musikhändler wie Apple mit iTunes beendet werden konnte, freilich verbunden mit gewaltigen Renditeabschlägen, die die Computerriesen für sich beanspruchten.

Disruptionen sind in der Musikbranche allerdings inzwischen an der Tagesordnung. Aktuelles Beispiel ist das Musik-Streaming mit so Diensten wie Spotify, Amazon Prime, Google Play und vielen anderen Anbietern. Zwar gibt hier immer noch der Hörer den Musikgeschmack vor, die tatsächlich abgespielte Musik wählt aber der Computer aus. Und hier ist es üblich, dass solche Playlists interpreter-übergreifend zusammengestellt werden und nur einzelne Lieder von Interpreten in die Listen aufgenommen werden.

Die Vielfältigkeit, die der Hörer auf die Weise bekommt, bezahlt der Musiker mit dem Dahinvegetieren des klassischen Albums. Denn in der Regel hören Streaming-Kunden nur einzelne Lieder aus einem Album und dann meist auch die Lieder, die besonders hoch bewertet werden. So manch Juwelen hinten in einem Album bleiben so auf der Strecke und sind nur noch für die tatsächlichen Käufer eines vollständigen Albums hörbar. Das ist vor allem für unbekanntere Musiker ein echtes Handicap.

In Sachen digitale Disruption gehört die Transformation von datenträgerbasierter Musik über dateibasierter Musik hin zum Musik-Streaming wirtschaftshistorisch betrachtet zu einem der wichtigsten Fallbeispiele. Innerhalb von nur wenigen Jahren können selbst jahrzehntelang eingefahrene Branchen fundamentale Veränderungen erfahren, die gänzlich neue Geschäftsmodelle erfordern und innerhalb kürzester Zeit neue und hochprofitable Marktteilnehmer hervorbringen.

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