Bargeld kostet Geld

Dr. Joachim Degel, 06.12.2019

Bargeld ist für Kunden eine Selbstverständlichkeit, für Dienstleister aber ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor. Für Banken ist die Bargeldversorgung ein dicker Kostenbrocken, der nicht mehr kleiner werden kann.

Es sind vor allem die kleinen Nachrichten rund um das Bargeld, die aufmerken lassen. So hat die Volksbank Jever unlängst angekündigt, die ostfriesische Insel Wangerooge aus Kostengründen nicht mehr mit 1-, 2- und 5-Cent-Stücken versorgen zu wollen, da der Transport dieser Münzen via fliegenden Geldkurieren nicht im Verhältnis zu den Münzwerten stünde. Und der Kreditkartenherausgeber Mastercard rechnet vor, dass ein Hamburger Restaurant mit bargeldlosem Zahlen im Monat 1.500 Euro spare.

Und in der Tat erlebt das bargeldlose Bezahlen selbst im “Bargeld-Land” Deutschland eine ungeahnte Neuauflage. Und die wird vor allem durch das kontaktlose Bezahlen und Zahlung via Smartphone oder Smartwatch angetrieben. Die stark gestiegene Nachfrage nach kontaktlosen Zahlungsmöglichkeiten führt selbst bei Dienstleistern, die traditionell vor allem Bargeld umsetzen, zu der Frage, wie schnell auch sie bargeld- und möglichst kontaktloses Zahlen anbieten können.

Die Kosten für die Bargeldversorgung stehen heute, nach vielen Jahren von Null- und Negativzinspolitik, mehr denn je auf den Prüfständen praktisch aller Banken. Durch Prozessoptimierungen und -auslagerungen – Mitarbeiter einer Bankfiliale kennen inzwischen üblicherweise die externen Geldbotenmitarbeiter, die die Geldautomaten im Vorraum mit Bargeld versorgen, nicht mehr – ist die Bargeldversorgung bereits in einem stark optimierten Zustand.

Ergo: Das Eingemachte wird beleuchtet. Und durch zusätzliche Kosten bei der Bargeldversorgung hat plötzlich der Konsument es erheblich stärker in der Hand, seine Einkaufspreise zu beeinflussen, wenn er immer stärker bargeldlos bezahlt. Und wenn es gleichzeitig idealerweise auch praktisch ist, ist der Weg plötzlich sehr kurz.

Für die Banken wiederum ein Dilemma: Kunden, die noch seltener zur Bank gehen, weil sie nun auch seltener Geld aus dem Automaten ziehen müssen und ihre Kontoauszüge sowieso schon elektronisch bekommen, sind deutlich flexibler, wenn es um einen möglichen Bankenwechsel geht. Das Kundenbindungswerkzeug Bargeld verliert an Haftungskraft.

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